Wenn das Raster zu eng ist, passt auch der Richtige nicht durch

Warum bei der Partnersuche eigene Bedingungen und Vorstellungen den Erfolg verhindern können

Checklisten bei der Partnersuche als Kennenlernbremse

Gesicht: Check, Bauch: Check, Beine: Check, Po: Check, Muskeln: Check, … Es lassen sich unzählige weitere Kriterien finden, die bei der Suche und beim Kennenlernen eines passenden Partners gecheckt werden. Einige Checks laufen unbewusst ab, andere bewusst. Einige Überprüfungen dauern nur Sekundenbruchteile, andere mehrere Sekunden bis Minuten und wieder andere Tage oder Monate. Manche behaupten, den Partner auch nach Jahren noch nicht zu kennen. Bei der Partnersuche bilden sich viele Menschen innerhalb kürzester Zeit eine Meinung über das Gegenüber und entscheiden dann ebenso schnell, ob sie ihn näher kennenlernen möchten oder nicht. Ein fataler Fehler, der dazu führen kann, noch lange Single zu bleiben.

 

Schnell, schneller am schnellsten

Schnell, schneller, am schnellsten – nichts geht schnell genug, alles muss immer schneller gehen. Ungeduld ist gesellschaftsfähig. Zeit zu haben ist uncool, sich Zeit zu nehmen Ausdruck von Souveränität. Wir sind gehetzt, müssen eben noch 148 Mails checken, alle ganz wichtig. Fehlt mal die Online-Verbindung in die große Welt, werden wir nach wenigen Minuten nervös. Das Handy neben dem Bett ist so normal wie das Kopfkissen. Rast- und Ruhelosigkeit bestimmen den Tag. 24/7, ständige Verfügbarkeit, schnelle Entscheidungen.

Der nächste, bitte

Partnersuche - aber schnell

Ein ähnliches Vorgehen ist bei der Partnersuche zu beobachten. Dating-Apps wie Tinder oder Lavoo unterstützen diesen Trend und haben daraus ein erfolgreiches Geschäftsmodell entwickelt. „Wisch und weg“ heißt die Devise, die den knappen Zeitressourcen der User entgegenkommt. Aber auch Online-Portale, klassische Partnervermittlungen und das zufällige Kennenlernen einer Person im „richtigen Leben“ sind von diesem Phänomen betroffen. Innerhalb kürzester Zeit wird entschieden, ob der andere interessant ist oder nicht. Die Entscheidung erfolgt dabei auf Basis der Kenntnis eines verschwindend geringen Bruchteils an Informationen. Solche Blitzentscheidungen sind vermutlich noch auf genetische Dispositionen aus der Urzeit zurückzuführen. Früher hing das Überleben davon ab, innerhalb von Sekundenbruchteilen abzuwägen, ob eine Gefahr drohte und eine entsprechende Aktion einzuleiten ist. Auch wenn heute Singles bei der Partnersuche eher selten auf Säbelzahntiger treffen, lässt ihr Reaktionsverhalten schließen, dass hinter jeder Ecke einer lauern könnte.

Wer Menschen innerhalb weniger Sekunden in Schubladen steckt, bringt sich um die Chance, einen anderen kennenzulernen

100 Prozent sind manchem nicht genug

Ein weiterer Punkt, der ähnliche Reflexe auslöst, sind die Kriterien, die Singles an potenzielle Partner stellen. Natürlich hat jeder Vorstellungen, wie der Mann oder die Frau fürs Leben aussehen und welche Eigenschaften er oder sie haben soll. Kritisch wird’s für diejenigen, die das „soll“ durch ein „muss“ ersetzt haben. Ganz kritisch wird es dann, wenn man meint, diese Kriterien auf den ersten Blick zu erkennen oder aus einem Online-Profil, Facebook oder Google herauslesen zu können. In Forschungsreihen spricht man in diesen Fällen von falsch-negativen Ergebnissen. Bei der Partnerwahl führt das dazu, dass man den anderen ablehnt und damit ein weiteres Kennenlernen ausschließt. Während Forscher den Effekt kennen und aus diesem Grund immer mehrere Testreihen zur Validierung ihrer Ergebnisse durchführen, gibt es für Singles diese zweite Chance nicht, da jeder weitere Kontakt durch ihre Entscheidung ausgeschlossen ist. Ein Sprichwort besagt, dass es für den ersten Eindruck keine zweite Chance gibt. Schade ist man geneigt zu sagen, angesichts der Tatsache, dass potenzielle Partner nicht beliebig zur Verfügung stehen und man niemals erfahren wird, ob sich hinter dem subjektiven ersten Eindruck nicht ein völlig anderer, möglicherweise liebenswerter Mensch, vielleicht sogar der oder die Richtige verborgen hätte.

 

Partnersuche ist ein komplexes Projekt

Die Komplexität der Partnersuche ist groß und die Kriterien, nach denen Menschen einen Partner wählen und eine glückliche Partnerschaft, idealerweise bis ans Ende ihres Lebens führen können, sind so vielschichtig, dass Entscheidungen wohl abgewägt sein wollen. Auch wenn jeder bestimmte Vorlieben und auch Abneigungen hat, lässt sich kaum innerhalb kurzer Zeit zuverlässig feststellen, ob ein anderer sie erfüllt oder nicht. Und selbst wenn einige Kriterien nicht erfüllt sind, ist es unmöglich beim ersten Date (oder beim googeln, facebooken oder whatsappen) festzustellen, ob sie möglicherweise nur in dem Moment nicht erfüllt sind und der andere tatsächlich doch nicht so verkehrt ist. Bei manchem Single wundert man sich über die Ansprüche, Vorstellungen und die Kriterien, wie der Wunschpartner zu sein hat, was er zu tun und zu lassen hat, wie er aussehen soll und so weiter. Es gibt Theorien, die besagen, dass durch das Stellen hoher Ansprüche die Angst kaschiert werden soll, sich auf einen anderen einlassen zu müssen und sich ihm zu öffnen. Damit verhindern Ansprüche an einen Partner, dass es zu einem näheren Kennenlernen kommt. Derartige Muster laufen unterbewusst ab und entziehen sich daher meistens einer bewussten Steuerung. Solche blockierende Zusammenhänge sind häufig Anlass, die Unterstützung eines Coachs in Anspruch zu nehmen. Im Coaching können sie aufgedeckt und durch neue Verhaltensmuster oder Sichtweisen ersetzt werden.

Gelassenheit führt zum Ziel

Gelassenhei bei der Partnersuche erhöht den Erfolg

Ein guter Tipp für Singles auf Partnersuche ist: Offen bleiben → macht sympathisch, die Checkliste in der Tasche lassen → die ist nicht sexy, unvoreingenommen auf andere zugehen → zeigt Flexibilität und sich mit der Beurteilung und dem endgültigen Urteil Zeit lassen → ist souverän. Dysfunktionale, unterbewusste Muster können aufgelöst und gewandelt werden, vorausgesetzt man möchte tatsächlich etwas verändern und nicht länger Single bleiben.

Vielleicht inspiriert der folgende Clip dazu, der Partnersuche eine andere Richtung zu geben, denn Möglichkeiten gibt es viele. Every day...

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