10 Verhaltensweisen, die Dich als Beziehungs-Honk entlarven

von Martin Göhler

Was funktioniert für funktionierende Beziehungen?

Eine gute Beziehung zu führen ist im Prinzip einfach: Kennenlernen, zusammenkommen, glücklich sein. Trotzdem gelingt es vielfach nicht und das Projekt scheitert an einem der drei Punkte. Das zeigt die große Zahl unfreiwilliger Singles, unglücklicher Partnerschaften und oft schmerzvoller Trennungen. Woran liegt es, dass eine scheinbar einfache Sache offensichtlich schwerer ist, als es auf den ersten Blick scheint? Warum fühlen sich viele in ihren Beziehungen nicht wohl? Warum herrscht häufig Eiseskälte in Partnerschaften? Und warum suchen viele nach Alternativen, die nach einiger Zeit einen ähnlichen Verlauf nehmen, wie die frühere Partnerschaft?

Es liegt an der Art und Weise, wie wir die Partnersuche, Dating, Beziehung und Partnerschaft angehen und gestalten.

 

#1 Kommunikation

Die Fähigkeit zur Kommunikation war einer der wesentlichsten Faktoren, dass sich in der Evolution die Spezies Homo sapiens durchgesetzt hat. Die Kommunikationsformen haben sich seitdem zwar geändert, die Bedeutung ist unverändert groß. Kommunikation ist das A und O einer jeden Beziehung. Ob die Verständigung verbal oder nonverbal geführt wird, ist sekundär. Im Vordergrund steht die Intension, mit welcher Absicht, in welcher Form und mit welchem Ziel kommuniziert wird. Passend ist alles, was zum gemeinsamen Glück beider Partner beiträgt, denn dann ist auch die Beziehung gut. Dysfunktional ist insofern alles andere. So einfach ist das.

Einige der folgenden Punkte weisen auf Kommunikationsformen hin, die zu einer Belastung in jeder der drei eingangs genannten Beziehungsphasen (Kennenlernen, Zusammenkommen, Glücklich sein) werden können.

 

#2 Recht haben wollen

Ein Übel, nicht nur in Liebesbeziehungen. Wer ständig recht haben möchte, nervt damit den Partner, ebenso die Kinder, Arbeitskollegen und Mitarbeiter, Freunde, Bekannte, kurz sein ganzes Umfeld. Beim Recht-haben geht es nicht um die Sache selbst, sondern um die Deutungshoheit und den Anspruch, die eigene Meinung sei die richtige - die einzig richtige.

Was bringt es, recht zu haben? Nichts!

Kaum jemand mag Menschen, die sich so verhalten, oder ist gerne in ihrer Nähe. Eine Partnerschaft mit Rechthabern ist anstrengend, überfordert und ist häufig Grund für Streit.

 

#3 Selbstwert

Souveräne Menschen sind sympathisch. Souverän ist jemand, der ein „gesundes“ Selbstwertgefühl hat, weder sich selbst über-, noch unterschätzt. Wer immer und überall im Mittelpunkt stehen muss, wer sich selbst für das Maß der Dinge hält, zeigt damit, dass er genau das nicht ist. Warum sonst müsste er das bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit zum Besten geben und beweisen wollen?

Die andere Seite, ein wenig oder schwach entwickeltes Selbstwertgefühl führt zu Zurückhaltung, sich nicht zu zeigen oder sein Licht unter den Scheffel zu stellen. Man bleibt somit hinter seinen Möglichkeiten zurück und schöpft das eigene Potenzial nicht aus.

Das persönliche Selbstwertempfinden wird in der Kindheit geprägt und während der Erziehung gestärkt oder geschwächt. Als Erwachsener muss ein gestörter Selbstwert nicht hingenommen werden, sondern ist veränderbar. Dies erfordert einerseits die Erkenntnis und die Bereitschaft zu Veränderung, andererseits anschließend in „die Puschen“ zu kommen und die Idee in die Tat umzusetzen. Seminare oder Coachings können den Veränderungsprozess anstossen und nachhaltig unterstützen - etwas tun muss man immer selbst

 

#4 Nicht zuhören

Wer redet, erfährt nichts Neues, wer zuhört dagegen schon. Die Mischung macht’s. Zuhören heißt dabei nicht nur, nicht selbst reden, sondern tatsächlich zu hören, was der andere sagt. Ob in geschäftlichen Meetings oder in Beziehungen, jeder kennt sie, die Menschen, die ohne Punkt und Komma reden. In den, meist kurzen Pausen, in denen andere die Chance haben, ihre Meinung zu sagen, hören die Dauerredner nicht zu, sondern warten nur auf den Moment, wo der andere Luft holt, um selbst wieder das Wort an sich zu reißen.

Zu hören, was der andere sagt, das Gesagte zu reflektieren und über die Worte nachzudenken, macht die Qualität von Kommunikation aus. Und dass Qualität wichtiger ist als Quantität, ist nicht nur bei den Redeanteilen so.

 

#5 Dominanz

Dominiert ein Partner den anderen physisch oder mental ist eine Beziehung auf Augenhöhe nicht möglich. Dominanz ist eine Folge der eigenen Angst oder Schwäche. Man befürchtet, dem andern unterlegen oder nicht gewachsen zu sein und versucht ihn oder sie daher zu unterdrücken. Dominanzverhalten in Beziehungen resultiert insofern aus der eigenen Angst, nicht ebenbürtig zu sein. Abgesehen davon führt ein solches Verhalten in Beziehungen (nicht nur in Liebesbeziehungen!) zu Widerstand und Konflikten. Ängste stammen immer aus früheren Erfahrungen. Sie müssen nicht als unveränderbar hingenommen werden, sondern können hinterfragt und abgebaut werden. Auch das erfordert Handeln. Ohne Veränderungsbereitschaft und eigenes Tun ändert sich nichts.

 

#6 Kontrolle

Wer kontrolliert, vertraut nicht. Wer vertraut, muss nicht kontrollieren. Eine Beziehung zu führen, heißt, das Leben gemeinsam zu verbringen. Das ist nicht gleichbedeutend mit, alles gemeinsam machen zu müssen oder im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis nicht mehr als Einzelperson, sondern quasi als siamesische Zwillinge aufzutreten und wahrgenommen zu werden. Freiräume, Unternehmungen mit dem besten Kumpel oder der besten Freundin oder Interessen, die der Partner nicht teilt, alleine zu verfolgen, ist in guten Beziehungen möglich und eine Bereicherung für alle.

Ist der Partner ständig misstrauisch, möchte immer wissen, wo der andere ist und was mit wem macht, vielleicht sogar das Smartphone und Mails des Partners kontrolliert, zeigt damit, dass er dem anderen nicht vertraut. Wer immerzu befürchtet, der andere könnte fremdgehen, findet dann Bestätigung, wenn der Partner genau das tut. Self-fulfilling prophecy nennt das die Psychologie. Die Kontrolle begünstigt genau das, was man meint, damit verhindern zu können. In einer glücklichen, von Vertrauen geprägten Beziehung, in der beide bekommen, was sie sich wünschen, besteht kein Bedarf an einer Affäre.

 

#7 Rücksichtslosigkeit

Als rücksichtslos wird das Verhalten eines Menschen bezeichnet, der eigene Interessen verfolgt, ohne die Gefühle, Wünsche und Vorstellungen anderer zu beachten. Es liegt nahe, dass ein solches Verhalten in Beziehungen dazu führt, dass der Partner ständig den Eindruck hat, dass seine Bedürfnisse weniger Bedeutung haben, als die des anderen. Der Eindruck hat Berechtigung, denn man zieht „sein Ding“ auf Biegen und Brechen durch. Was der andere möchte, was ihn interessiert, was er sich wünscht ist gleichgültig.

Menschen werden nicht rücksichtlos geboren, sondern entwickeln ein solches Verhalten in Folge von Erfahrungen, die sie im Laufe ihres Lebens gemacht haben. Das macht zwar vom Ergebnis her keinen Unterschied, von den Folgen und Möglichkeiten schon. Denn, Verhalten ist veränderbart – wenn man möchte und dazu bereit ist.

Als Partner eines rücksichtslosen Menschen, kann man ihm oder ihr gegenüber kommunizieren, dass einem das Verhalten nicht gefällt und man sich wünscht, auch eigene Interessen und Wünsche in der Partnerschaft zu verwirklichen. Reden alleine reicht meist nicht. Es müssen Konsequenzen aufgezeigt werden, die man zieht, wenn der andere sein Verhalten nicht ändert. Der folgende Punkt geht darauf ein.

 

#8 Bedingungen

Liebe ist bedingungslos, wird häufig gesagt. Das stimmt nicht. Jeder hat Vorstellungen davon, wie er leben möchte und wie seine Partnerschaft sein soll. Damit sind immer auch Bedingungen verbunden, die in der Beziehung erfüllt sein müssen. Sie betreffen die Bereiche Verbindlichkeit, Kinder, Kindererziehung, Freizeit, Arbeit, Sexualität, Umgang miteinander, Weiterentwicklung und Treue. Die genannten Punkte sind Beispiele, die Bedingungen sind individuell.

Das Problem ist, dass Bedingungen häufig nicht kommuniziert werden. Man geht davon aus, dass der andere sie kennt und sich danach richtet. Dem ist aber häufig nicht so, was zu Konflikten führt. Warum aber nicht klar dem anderen sagen, was man möchte und welche Erwartungen man an ihn und die gemeinsame Beziehung hat? Zu lieben heißt, die Bedingungen des anderen gerne zu erfüllen. Dazu muss man sie aber zunächst kennen.

Ein weiterer Punkt hält Menschen davon ab, Bedingungen zu stellen. Wie man selbst, hat auch der andere Bedingungen und erwartet, dass sie erfüllt werden. Keine Bedingungen zu stellen bedeutet insofern auch, keine Bedingungen erfüllen zu wollen. Beides funktioniert für eine glückliche Beziehung nicht, denn Glück und Zufriedenheit hängen ganz wesentlich davon ab, ob die gegenseitigen Bedingungen erfüllt werden.

 

#9 Fehlender Respekt

Bei den ersten Dates und in den ersten Monaten einer Beziehung trägt man den anderen auf Händen, liest ihm jeden Wunsch von den Augen ab, verhält sich liebenswürdig und freundlich. Im Laufe der Zeit verändert sich das Verhalten, Alltag und Gewohnheit ziehen in die Beziehung ein und das Verhältnis verändert sich. Beziehungen unterliegen unterschiedlichen Phasen. Jede Beziehung verändert sich im Laufe der Zeit. Es liegt jedoch an jedem der Partnert, wie er sich in den jeweiligen Phasen verhält. Ob man sich physisch und mental gehen lässt oder den anderen weiterhin mit Wertschätzung und Respekt behandelt, steuert man selbst.

 

#10 Die Beziehung läuft von alleine

Hat man einen Partner kennengelernt und ist mit ihm oder ihr zusammen, ist das Projekt Partnerschaft nicht beendet, sondern beginnt erst. Während des Kennenlernens und in den ersten Monaten einer Beziehung gibt es keine Probleme. Die gemeinsame Zeit auf Wolke 7 ist eine Phase, in der es meist keine Probleme gibt, man immerzu an den Partner denkt und am liebsten immer in seiner oder ihrer Nähe sein möchte.

In der folgenden Phase wird die Beziehung in das eigene Leben und sein bisheriges Umfeld integriert. Persönlicher Alltag und Beziehung müssen kombiniert und organisiert werden. Verhaltensweisen des Partners, über die man in den ersten Wochen hinweggesehen hat, beginnen zu stören. Zurückgestellte Wünsche und Vorstellungen gewinnen wieder an Bedeutung. Erste Konflikte treten auf, man ist unterschiedlicher Meinung, hat verschiedene Bedürfnisse und Interessen.

Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, den ersten Punkt (Kommunikation) noch mal zu lesen. Die Art der Kommunikation mit dem Partner in Konfliktsituationen ist entscheidend dafür, ob der Konflikt unter den Teppich gekehrt wird und von dort über kurz oder lang wieder die Beziehung belastet, oder ob er so gelöst wird, dass beide Partner damit glücklich und zufrieden sind.

Wenn Sie jemand kennen, der eine der genannten Verhaltensweisen an den Tag legt, dann geben Sie ihm den Artikel zu lesen oder empfehlen Sie ihm oder ihr, uns anzurufen.

 

RIA GOEHLER – zum Glück Dein Partner.

Dieser Beitrag ist auch im Magazin von The-Coach.Net erschienen: https://the-coach.net

Über den Autor...

Martin Göhler ist Single- und Paarcoach. Mit Unternehmen arbeitet er als Beziehungscoach und unterstützt die Optimierung der Zusammenarbeit von Teams und Mitarbeitern. Weitere Informationen unter www.mg-coaching.de.

Expertisen sammelte er in über 25 Jahren in leitender Funktion in mehreren Wirtschaftsunternehmen sowie in vielen Business- und Lifecoachings. Mehr als 30 Jahre glückliche Partnerschaft und drei erwachsene Kinder bereichern sein Leben und prägen ihn. In den letzten Jahren hat er in verschiedenen Medien zahlreiche Beiträge rund um das Thema Partnerschaft und Beziehung veröffentlicht.

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