Hat jemand Stress?

von Martin Göhler

Stress raus, Entspannung rein.

Stress zu haben, gehört zum guten Ton. Menschen, die behaupten, sie hätten keinen Stress, sind suspekt? Entweder schwindeln sie oder ihr Leben ist so langweilig, dass sie nichts, noch nicht einmal Stress haben? Stress macht Menschen wichtig, gibt ihnen Bedeutung? Wer etwas bewegen möchte, muss Stress haben, je mehr, desto besser? Stress fungiert als Motor, um in Bewegung zu kommen? Oder ist das alles Quatsch, der ganze Stress hausgemacht? Geht’s ohne Stress auch? Vielleicht sogar besser?

 

S.T.R.E.S.S.

Bereits das Wort klingt bedrohlich und erregt Besorgnis. Stress, jeder kennt ihn, viele haben ihn, jeder möchte ihn vermeiden. Meistens glauben wir, dass der Stress nichts mit uns zu tun hat, es sich entwickelt, von außen an uns herangetragen wird. Wir merken, dass wir uns nicht wohlfühlen, angespannt und hektisch sind, vielleicht ein paar körperliche Beschwerden wie Magenschmerzen oder Schlafprobleme haben oder unkonzentriert sind. Kommt der Stress aber tatsächlich von außen oder hat er nicht eher etwas mit uns selbst, unseren Einstellungen und Standpunkten zu tun? Wäre dem so, wäre der Stress selbst gemacht, wäre der Vorteil, dass wir etwas dafür tun können, unseren Stress zu reduzieren. Achtsamkeit ist ein Stichwort, was im Zusammenhang mit Stress immer wieder genannt wird. Achtsam zu leben bedeutet, auf sich selbst zu achten, für sich selbst zu sorgen und sich darum zu kümmern, dass es einem gut geht. Dafür ist es nicht notwendig, stundenlang im Schneidersitz zu meditieren. Ohne eigenes Zutun geht es allerdings nicht, wenn man weniger Stress möchte.

 

Was ist Stress?

Stress ist prinzipiell eine natürliche Reaktion des Körpers auf psychische oder physische Belastungen. Droht Gefahr, wird blitzschnell ein Hormoncocktail ausgeschüttet, um die kurzfristige Leistungsbereitschaft zu erhöhen. In erster Linie sind das Adrenalin und Noradrenalin. Der Körper bringt sich reflexartig in einen Flucht- oder Kampfmodus. Vor einigen Tausend Jahren sicherten diese Reflexe das Überleben. Zwar sind Mammuts und Säbelzahntiger schon lange ausgestorben. Heute sind es der Partner, die Kinder, Familie, Kunden, Kollegen, Mitarbeiter oder Chefs, die bei uns den Flucht- oder Kampfmodus aktivieren und damit Stressreaktionen auslösen.

 

Warum belastet uns Stress?

Wollte man nicht zum Schlemmerfrühstück des Tigers werden, suchte man entweder so schnell wie möglich das Weite (Flucht) oder man stellte sich der Gefahr (Kampf). Die körperliche Anstrengung führte zu einem Abbau der Stresshormone, bis der Normalzustand wieder erreicht war.

Das ist heute anders. Die wenigsten laufen nach einer Auseinandersetzung mit Partner, Kollegen oder dem Chef im Laufschritt um den Block. Dadurch wird der Hormoncocktail nicht oder nur sehr langsam abgebaut. Ein weiterer Unterschied zu unseren Urahnen ist, dass die heutigen Lebensumstände ein wesentlich größeres Stresspotenzial haben.

Dauerstress hat negative Auswirkungen auf nahezu alle Organe. Dauerstress macht krank, reduziert die Zufriedenheit und Lebensfreude, führt zu unangemessenen Reaktionen und dadurch zu neuem Stress. Stress füttert sich selbst und frisst Dich Stück für Stück auf.

 

Angst vs. Stress

Fragt man einen Manager, ob er Angst hat, wird er das mit hoher Wahrscheinlichkeit verneinen und weit von sich weisen. „Männer haben keine Angst“ oder „nur Loser haben Angst“ sind verbreitete Sprüche. Fragt man einen Manager dagegen, ob er Stress hat, wird er vermutlich ausführlich erklären, für was er alles verantwortlich ist und zu tun hat.

Stress ist die gesellschaftlich akzeptierte und etablierte Form von Angst. Warum ist das so? Wäre man sicher, die gestellten Aufgaben erfüllen zu können, wäre keine Stressreaktion erforderlich. Damit ist Stress nichts anderes, als die Urangst, Erwartungen nicht gerecht zu werden, das Pensum nicht zu schaffen oder die Herausforderungen nicht zu bewältigen. Die wenigsten Manager gestehen sich das ein. Dabei wäre diese Einsicht, nicht nur der erste Schritt in Richtung Besserung, sondern wäre ein Zeichen für Achtsamkeit und emotionale Intelligenz. Voraussetzung ist, dass der Einsicht das Handeln folgt. Ohne die Bereitschaft, Veränderungen zu initiieren und umzusetzen, geht nichts.

 

Stress ist hausgemacht

Jeder empfindet Stress anders. Was für den einen noch Wohlfühlprogramm ist, bringt einen anderen an den Rand der Verzweiflung. Der persönliche Stresslevel ist individuell unterschiedlich ausgeprägt. Daher kann es auch nicht „das“ Patentrezept für ein stressfreies Leben geben. Jeder muss für sich selbst herausfinden, ob und was genau bei ihm Stress auslöst. Gemeint sind dabei nicht kurzfristige oder selten auftretende Situationen. Gemeint sind sich ständig wiederholende, immer und immer wieder auftretende Situationen, die belasten und Lebensenergie rauben.

Allerdings ist es nie eine Situation an und für sich. Es ist immer unsere Bewertung der Situation, die zu Stress führt. Damit ist Stress nichts, was uns übergestülpt oder von außen auf uns einwirkt. Stress entsteht dann, wenn wir ein Ereignis oder ein Ergebnis persönlich als negativ oder belastend bewerten. Stress entsteht durch die Diskrepanz im Kopf, wie etwas ist und wie man selbst meint, dass es sein sollte oder müsste.

Der Vorteil ist: Wenn Stress mit uns zu tun hat und nicht externe Ursachen hat, haben wir auch den Schlüssel, den Stress abzustellen.

 

Die Top-10-Tipps für mehr Lebensfreude und weniger Stress

Von alleine wird`s nicht besser. Es ändert sich nicht’s, wenn Du es nicht anpackst. An Deinem Stress wird sich dann etwas ändern, wenn Du aktiv wirst und Veränderungen initiierst. Die Top-10 der Anti-Stress-Tipps:

  1. Finde heraus, was genau Dich stresst. Schreibe Dir auf, wann, wo und in welcher Situation Du gestresst bist. Sind es bestimmte Menschen, die Dich immer wieder stressen?
  2. Warum lösen Situationen und Menschen Stress bei dir aus? Auf welche gedanklichen Muster stoßen sie bei Dir beziehungsweise, welcher Deiner Regeln und Werte entsprechen sie nicht? Schaue Dir Deine Standpunkte und Handlungsmuster an. Kannst Du sie verändern?
  3. Ernährst Du Dich ausgewogen und nicht einseitig? Obst und Gemüse versorgen uns mit Vitaminen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen. Davon braucht der Körper bei hoher Beanspruchung entsprechend mehr.
  4. Baue mehr Bewegung in Deinen Tagesablauf ein. Der Sprint, um dem Säbelzahntiger zu entkommen, erfolgte nicht freiwillig. Der Gang ins Fitnessstudio und der Griff zu den Laufschuhen dagegen schon. Regelmäßige Bewegung ist eine der effektivsten Möglichkeiten, um Stress zu reduzieren. Das gilt natürlich nur dann, wenn der sportliche Wettbewerb nicht zum erneuten Stressor wird.
  5. Nimm Dir Zeit für Dich und für Dinge, die Du gerne machst. Auf den ersten Blick ist das ein weiterer Zeitfresser, aber schon kurze Auszeiten zwischendurch, ein längerer Blick aus dem Fenster, die 5-Minuten-Meditation morgens oder abends wirken wahre Wunder.
  6. Achte auf ausreichend erholsamen Schlaf. Schalte eine Stunde bevor Du ins Bett gehst alle elektronischen Geräte ab. Trinke keinen oder wenig Alkohol vor dem Zu-Bett-Gehen.
  7. Erstelle eine Not-To-Do-Liste. Überlege Dir, ob Du all das tun must, was auf Deiner To-Do-Liste steht. Streiche alles, was Du nur tust, weil andere es von Dir erwarten. Streiche, was Dir nicht gut tut.
  8. Lerne Nein zu sagen. Gerade dann, wenn alle von Dir gewohnt sind, ein Ja auf ihre Bitten und Wünsche zu bekommen. Überlege Dir, bevor Du zustimmst, ob Du das wirklich möchtest und es nicht nur deshalb tust, weil es andere von Dir erwarten. Du musst nicht „everybody‘s Darling“ sein.
  9. Umgib Dich so häufig wie möglich mit Menschen, die Dir guttun, die selbst gut drauf sind, mit denen Du ausgelassen sein kannst. Lache viel mit ihnen, sei ausgelassen und habe Spaß. Ärgere Dich nicht über das Gestern und grüble nicht über das Morgen. Lebe und genieße den Moment.
  10. Always wear sunscream. Hör Dir das Lied von Buz Luhrman an.

Immer noch gestresst? Dann rufe an. Wir sind die Experten für ein stressfreies, beschwingtes Leben und glückliche, erfüllte Beziehungen.

Dieser Beitrag ist auch im Magazin von The-Coach.Net erschienen: https://the-coach.net

Über den Autor...

Martin Göhler ist Single- und Paarcoach. Mit Unternehmen arbeitet er als Beziehungscoach und unterstützt die Optimierung der Zusammenarbeit von Teams und Mitarbeitern. Weitere Informationen unter www.mg-coaching.de.

Expertisen sammelte er in über 25 Jahren in leitender Funktion in mehreren Wirtschaftsunternehmen sowie in vielen Business- und Lifecoachings. Mehr als 30 Jahre glückliche Partnerschaft und drei erwachsene Kinder bereichern sein Leben und prägen ihn. In den letzten Jahren hat er in verschiedenen Medien zahlreiche Beiträge rund um das Thema Partnerschaft und Beziehung veröffentlicht.

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