Schluss mit lustig

von Martin Göhler

Von alleine tut sich nichts. Du musst schon nachhelfen.

Ich kann das nicht. Ich bin nicht hübsch genug. Ich bin zu dick. Ich bin zu klein. Ich bin zu groß. Ich habe nicht genug Geld. Niemand versteht mich. Ich muss zu viel arbeiten. Mein Kollege ist viel beliebter als ich. Ich schaffe das nicht. Nie habe ich Glück mit den Männern/Frauen. Die Partner der anderen sind viel netter. Hätte ich doch nur einen anderen Job. Mein Partner liebt mich nicht mehr. Ich bin nicht liebenswert. Glaubenssätze noch und nöcher. Alles Quatsch! Aber wie bekommst Du sie aus dem Kopf?

 

Glaubenssätze pflastern unseren Weg

Wir trichtern sie uns so lange ein, bis wir überzeugt sind, dass sie stimmen, dass es so und nicht anders sein muss. Haben wir sie uns lange genug eingehämmert oder zugelassen, dass man sie uns einhämmert, erkennen wir sie nicht einmal mehr als Glaubenssätze. Es handelt sich dann um fiktive Wahrheiten, um Tatsachen, um Fakten, die so sind, wie sie sind – und überhaupt nicht anders sein können.

Jeder Mensch hat Glaubenssätze. Von frühester Kindheit machen wir Erfahrungen, gute und weniger gute. Wie bei einem Puzzle kommt ein Stein zum anderen. Unsere "Landkarte", wie Leben funktioniert und wie nicht, wird immer vollständiger. Das beginnt im Babyalter, geht Kleinkind, Teenager und junger Erwachsener immer so weiter. Bei jeder neuen Situation erfolgt ein blitzschneller Systemabgleich. Gab es eine gleiche oder eine ähnliche Situation schon einmal, wird die damals abgespeicherte Reaktion erneut abgerufen – schließlich hat sie dazu beigetragen, dass wir die „überlebt“ haben, selbst wenn es um die ungeliebte Umarmung der Großtante und ihren feuchten Küssen gegangen ist.

 

Unbewusste Reiz-Reaktions-Muster - die Wurzeln des Übels

Die Reiz-Reaktions-Handlung wird im Unterbewusstsein gespeichert und von dort wieder abgerufen. Das bedeutet, auf den ersten Blick erkennen wir nicht, was uns so und nur so reagieren lässt. Dem Unterbewusstsein geht es bei der Wahl einer passenden Reaktion mehr um Schnelligkeit, als Genauigkeit. Vor einigen Hunderttausend Jahren war es eben wichtiger, bei einem verdächtigen Geräusch die Füße in die Hand zu nehmen und das Weite zu suchen, als das Geräusch genau zu analysieren und sich anschließend zu überlegen, was man tun soll. Durchaus möglich, dass es damals auch solche Menschen gegeben hat. Diese haben in aller Regel aber nicht überlebt und haben ihr Erbgut daher nicht weitergegeben. Wir müssen davon ausgehen, dass wir zum überwiegenden Teil die Nachkommen derjenigen sind, die am schnellsten geschaltet haben und dann am schnellsten rennen konnten. Ist es tatsächlich so, dass wir die Nachkommen von  Angsthasen und Leisetreter waren?

 

Warum festhalten, wenn loslassen viel gesünder wäre?

Warum halten wir lange an Zuständen fest, die uns unzufrieden und unglücklich machen? Warum bleiben wir in Beziehungen, die uns belasten und ändern daran nichts? Warum bleiben wir in dem Job, der uns nicht gefällt, und suchen uns keinen anderen? Warum sagen wir Menschen nicht, wenn sie uns nerven oder ziehen uns von ihnen zurück?

Ist die Antwort auf alle Fragen einfach unseren Genen zuzuschreiben? Wäre das so, könnten wir es uns in unserem Elend gemütlich machen, denn die Gene können wir nicht ändern, oder?

Oder lautet die Antwort, dass wir trotz aller genetischen Programmierungen über die Add-ons „freier Wille“ und „freie Wahl“ ausgestattet sind? Warum aber benutzen wir sie nicht oder nur sehr sparsam? Was befürchten wir passiert, wenn wir an Zuständen, die uns nicht gefallen, etwas ändern? Wenn wir in Beziehungen klipp und klar sagen, was wir wollen, erwarten und uns vom anderen wünschen?

 

Mensch, fang endlich an zu leben und zu genießen

Im Coaching sind gelegentlich Klienten, die man am liebsten schütteln würde und ihnen zurufen: „Mensch, fang endlich an zu leben und zu genießen. Dieses Leben ist das einzige, was Du hast!“

Zurück zu den Glaubenssätzen. Unser Gehirn ist darauf getrimmt, jede neue Situation abzuscannen und in Bruchteilen einer Sekunde eine Reaktion einzuleiten. Das geschieht in der positiven Absicht, unser Leben zu schützen. Mit dem Schutz wird’s aber manchmal übertrieben. Einerseits ist das Leben heute nicht mehr so gefährlich wie für unsere Vorfahren. Andererseits werden wir „geschützt“, wo gar kein Schutz nötig ist. Vor lauter Angst, es könnte schlechter werden, bleiben wir in Beziehungen, die uns weder guttun, noch sind wir glücklich darin. Das wäre aber nicht das Schlimmste. Außerdem reden wir uns ein, „so dramatisch ist es ja nicht“ oder „anderen geht es noch schlechter als mir“ oder „es ist halt so“. Das benutzen wir dann auch als Ausrede, nichts zu tun, nichts zu verändern, nichts anzusprechen. Vielmehr „kehren wir alles unter den Teppich“, machen „gute Miene zum bösen Spiel“, bloß nicht am Status quo rühren.

 

Ab in die Tonne

Was also tun mit den ganzen Glaubenssätzen? Möchte man etwas verändern, müsste man sich als erstes die Muster anschauen, die unterbewusst ablaufen. Dazu müssen die im Verborgenen ablaufenden Programme offengelegt und ins Bewusstsein gerückt werden. Anschließend versucht man sich an die Situation zu erinnern, die dazu geführt hat, das Muster abzuspeichern. Über den Kopf alleine gelingt das meist nicht. Es reicht nicht, sich zu sagen, „Ist ja nicht so schlimm“ oder „Stell Dich doch nicht so an“. In der eigenen Wahrnehmung ist es schlimm und man kann meist nicht anders, als sich entsprechend „anzustellen“.

Eine mögliche Lösung ist das Hinterfragen der entsprechenden Situation. Was genau stört oder ängstigt einen? Was befürchtet man? Hilfreich ist außerdem, sich zu überlegen, was denn das Schlimmste sein könnte, was einem in dieser Situation passiert. Es gibt eine Reihe weiterer Möglichkeiten. Letztlich geht es immer darum, die Glaubenssätze, die einen belasten und blockieren, zu wandeln und die Muster durch neue Programme zu ersetzen. Statistisch gesehen treten 99,9 Prozent der Ergebnisse, die wir befürchten, nicht ein. Unsere negativen Glaubenssätze hindern uns jedoch daran, ein glücklicheres, zufriedeneres Leben zu führen – wenn wir ihnen diesen Raum geben und nichts dagegen tun.

 

Action, Action, Action

Wenn Dein Keller wegen eines Rohrbruchs voll mit Wasser läuft, bringt es Dir dann etwas, rum zu jammern und sich darüber zu beklagen, dass das böse, böse Rohr gebrochen ist? Was passiert, wenn du das Problem ignorierst und Dir sagst, „Ist ja nicht so schlimm“? Dann steht Dir buchstäblich irgendwann das Wasser bis zum Hals. „Würde ja keiner machen“, „So blöd ist doch niemand“, sagst Du jetzt? Bei einem Rohrbruch im Keller würden die meisten tatsächlich sofort aktiv werden und die Feuerwehr oder einen Installateur zu Hilfe rufen.

Geht es aber um die eigene Beziehung, die Kinder, die Familie, Freunde, den Job, die Karriere, das Einkommen und die Finanzen – also das eigene Leben, machen viele genau das: Zuschauen und warten, bis das Wasser bis zum Hals steht - oder noch ein Stückchen höher.

Manchmal reicht ein Gespräch mit der besten Freundin oder dem guten Kumpel. Ist der „Wasserschaden“ gravierender, ist professionelle Unterstützung angesagt. Es ist erstaunlich, wie geduldig manche Menschen sind und wie lange sie warten. Dabei wäre es umso einfacher, schneller und nachhaltiger, je kleiner das „Loch im Rohr“ ist.

Mach‘s besser. Warte nicht, bis der Wasserspiegel steigt. Jeder hat ein glückliches und zufriedenes Leben verdient. Auch Du! Es fällt nicht vom Himmel, sondern ist die Folge von aktiv werden. Werde aktiv und nimm Dein Leben in die Hand. Akzeptiere nicht weiter Situationen, die Dir nicht gefallen. Tu etwas für Dich. Werde aktiv! Jetzt!

Wenn Du Dich fragst, wie es geht oder Du Unterstützung möchtest, rufe an.

RIA GOEHLER – zum Glück Ihr Partner.

Über den Autor...

Martin Göhler ist erfolgreich als Single- und Paarcoach tätig. Mit Unternehmen arbeitet er als Beziehungscoach und unterstützt die Optimierung der Zusammenarbeit von Teams und Mitarbeitern.

Expertisen sammelte er in über 25 Jahren in leitender Funktion in mehreren Wirtschaftsunternehmen sowie in vielen Business- und Lifecoachings. Mehr als 30 Jahre glückliche Partnerschaft und drei erwachsene Kinder bereichern sein Leben und prägen ihn. In den letzten Jahren hat er in verschiedenen Medien zahlreiche Beiträge rund um das Thema Partnerschaft und Beziehung veröffentlicht.

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