7 Entscheidungs-Mythen und wie Du ihnen entgehst

von Martin Göhler

Entscheiden - aber richtig!

Wir treffen täglich einige Tausend Entscheidungen. Die meisten Entscheidungen treffen wir unbewusst. Aufstehen, Frühstücken, zur Arbeit gehen, Mittagessen beispielsweise. In diesem Beitrag geht es um bewusste, längerfristige Entscheidungen und die Mythen, die sich ums sie ranken. Mythen, die uns die Entscheidung schwer machen. Mythen, die uns daran hindern, uns zu entscheiden. Mythen, die uns an einer Entscheidung zweifeln lassen. Kennt man die Hintergründe der Mythen, fällt die Entscheidung leichter. In dem Artikel erfährst Du Mythen, Hintergründe und Lösungen.

 

Glückwunsch, eine gute Entscheidung!

Okay, Du hast entschieden, diesen Beitrag weiterzulesen. War das eine gute und richtige Entscheidung? Das wirst Du erst erfahren, wenn Du bis zum Ende liest. Damit steht jetzt Deine zweite Entscheidung an: Investierst Du Deine Zeit, ohne genau zu wissen, was Du dafür bekommst. Oder beschließt Du, an dieser Stelle weiterzuklicken? Dann wirst Du nie erfahren, was Du vielleicht verpasst hast.

Zwei Entscheidungen innerhalb von fünf Sekunden. Ich verspreche Dir, mein Bestes zu geben, damit Du am Ende des Artikels sagst: „Gute Entscheidung. Cool, das hat sich gelohnt“.

Eine Klientin, Lena, 34, Ärztin, Single, steckte im Entscheidungsdilemma. Eigentlich waren es sogar zwei. Beruflich war sie unzufrieden und suchte nach neuen Möglichkeiten. Privat fiel es ihr zwar leicht, Männer kennenzulernen. Sich für einen zu entscheiden und eine längerfristige Beziehung aufzubauen ist ihr bisher noch nicht gelungen – obwohl sie sich Kinder wünschte und eine Familie gründen wollte. Einige der folgenden Mythen stellten Lena für scheinbar unlösbare Probleme. Einen nach dem anderen löste sie im Coaching auf. Die folgenden Ausführungen beschreiben Lenas privaten Bereich. Für ihr berufliches Dilemma konnte sie die gefundenen Lösungen entsprechend umsetzen.

 

Mythos #1 – Ich kann mich nicht entscheiden

Alternativen hatte Lena mehr genug. Sie sah gut aus und Männer interessierten sich für sie. Seit etwa acht Monaten war sie bei einer bekannten Online-Partnervermittlung Kundin. Mit einigen Männern hatte sie Dates, aber zu mehr als ein paar wilden Nächten hatte es meist nicht gereicht. „Ich kann mich einfach nicht für einen entscheiden“, äußerte sie bei unserem Treffen.

Dabei traf Lena beispielsweise im Job täglich schwere und weitreichende Entscheidungen. Dass sie nicht entscheiden konnte, war folglich eine Illusion, eine Geschichte, die sie sich erzählte und von deren Richtigkeit sie überzeugt war.

Zu erkennen und zu akzeptieren, dass „Ich kann nicht …“ richtig heißen muss „Ich will nicht …“ war für sie der erste Schritt. Es lag nicht an ihrem Unvermögen, Entscheidungen zu treffen, sondern am Willen. Dem Warum und Weshalb auf die Spur zu kommen, waren weitere wesentliche Schritte, die sie dabei unterstützten, dem ersten Mythos zu entgehen.

 

Mythos #2 – Ich weiß nicht, wie ich mich entscheiden soll

Wenn wir vor Entscheidungen stehen, eine der Alternativen wählen, bedeutet das gleichzeitig, eine oder mehrere andere Alternativen abzuwählen. Manchmal ist das so. Wer sich für einen Partner entscheidet, entscheidet sich gegen potenziell mögliche andere Partner. Wer allerdings Vor- und Nachteile des einen oder des anderen Partners abwägt, sollte sich fragen, ob überhaupt einer von beiden der oder die Richtige ist. Trifft man den „Helden der einsamen Nächte“ oder die „Königin seines Herzens“ entscheidet man intuitiv, dass er oder sie „The one and only“ ist, den man sich gewünscht hat. Nicht zu wissen, wie man sich entscheiden soll, kann daher ein Hinweis darauf sein, dass keine der Alternativen zu 100 Prozent passt.

In anderen Bereichen kann man prüfen, ob statt einem Entweder-oder ein Sowohl-als-auch möglich ist. Das gilt besonders dann, wenn beide Alternativen Vorteile haben, auf die man nicht verzichten möchte.

In der Wirtschaft gibt es etliche Methoden, die für die Entscheidungsfindung herangezogen werden. Einige davon lassen sich einfach und sinnvoll auch für Entscheidungen im persönlichen Bereich heranziehen. Google liefert hierfür zahllose Empfehlungen.

 

Mythos #3 – Entscheidung hin oder her – ist doch eh egal

Zu Beginn unserer Sitzung war Lena frustriert. Sie äußerte, dass wen sie auch treffe, der Richtige sowieso nicht dabei sei. Da sie keine Entscheidung treffen konnte (richtiger: wollte), hatte sie eine Weile auf Anfragen nicht mehr geantwortet oder aber gedatet was das Zeug hielt.

Resignation oder ein Mit-dem-Kopf-durch-die Wand sind mögliche Alternativen, die allerdings auch auf einer entsprechenden Entscheidung beruhen. Was damit gesagt werden soll, ist: Es ist nicht möglich, keine Entscheidung zu treffen, denn auch das ist eine Entscheidung.

 

Mythos #4 – Dysfunktionale Entscheidungen

Dass Lena allerdings weder Frust, noch ein Jetzt-erst-recht ihrem Ziel, einen Partner zu finden und eine Familie zu gründen, näher brachte, hatte Lena bereits selbst erkannt.

Resignation, Wut und Ärger sind meist dysfunktional in Bezug auf das, was man möchte und sich wünscht. Insofern ist bei jeder Entscheidung die Frage sinnvoll, welche der möglichen Alternativen geeignet ist, das gewünschte Ziel zu erreichen. Manchmal scheinen Kompromisse eine gute Lösung zu sein. Einer mag okay sein. Werden es (zu) viele, passt etwas nicht. Das, was man möchte und will, droht in Gefahr zu geraten. Insofern ist Vorsicht geboten, wenn viele Kompromisse scheinbar notwendig sind.

 

Mythos #5 – Ich brauche mehr Informationen, bevor ich mich entscheide

Die Idee, sich vor einer Entscheidung mit entsprechenden Informationen zu versorgen, ist prinzipiell richtig. Wer aber meint, erst dann eine Entscheidung treffen zu können, wenn er über alle Informationen verfügt, wird eine Entscheidung niemals treffen. Vollständige und allumfassende Information ist ein Anspruch, der vermutlich auf die Befürchtung zurückzuführen ist, eine falsche Entscheidung zu treffen. Davor bewahrt uns jedoch niemand. Niemals können wir sicher sein, dass eine Entscheidung die wir heute treffen, sich morgen nicht als Fehler herausstellt. Treffen wir keine Entscheidung (was wie in Mythos #3 beschrieben wurde, ebenso eine Entscheidung ist), ist vielleicht genau das dann ein Fehler.

Für eine langfristige Partnerschaft sammelt man vom ersten Augenblick an bewusst und unbewusst Informationen über den Partner. Stimmt die Chemie, ist man sich sympathisch und kann einander gut riechen, sind das gute Voraussetzungen. Wer das sprichwörtliche Haar in der Suppe finden will, wird es finden. Dann allerdings sollte man die eigene Absicht in Bezug auf Partnerschaft prüfen.

Bei Lena waren es Erfahrungen aus ihrer Jugend und frühen Erwachsenenalter, die sie unbewusst danach suchen ließ, was an ihrem Gegenüber nicht passte. Sie fand immer etwas. Damit vermied sie gleichzeitig, sich auf einen Mann ganz einlassen zu müssen. Der Grund war ihre Angst, verletzt zu werden. In Bezug auf die Informationen, die man vor einer Entscheidung haben möchte, heißt das dann außerdem, sich die Art der Informationen anzuschauen, die man vor einer Entscheidung haben möchte.

 

Mythos #6 – Bauch oder Kopf – wer trifft die besseren Entscheidungen?

Für den US-amerikanischen Journalisten Malcom Gladwell ist die Antwort klar: Unser Bauch ist dem Verstand um Lichtjahre überlegen. In dem lesenswerten Bestseller Blink! behauptet Gladwell, dass „blitzschnelle Entscheidungen unser gesamtes Weltbild prägen, ob wir das wahrhaben wollen oder nicht ...“. Als Grund führt er an, dass unser „adaptives Unbewusstes es hervorragend versteht, die Umwelt einzuschätzen, Menschen vor Gefahren zu warnen, Ziele zu setzen und Handlungen in intelligenter und effizienter Weise einzuleiten. Doch unsere Kultur hat uns die Überzeugung in die Köpfe gepresst, nur überlegte, bewusste Urteile, die auf möglichst vielen Informationen basieren, vertrauen zu dürfen: Erst denken, dann handeln. Eile mit Weile. Falsch, sagt Malcolm Gladwell. Solche Phrasen sind abgedroschen, unzutreffend und irreführend. Wir müssen lernen, wieder unserem adaptivem Unbewussten zu vertrauen. Denn es führt uns weitaus zuverlässiger in die richtige Richtung als unser aufklärerisch durchdrungener Rationalismus.“ (frei nach Amazon.de).

Lena überzeugten die Argumente und sie nahm sich vor, dem Analytiker in ihrem Kopf weniger Glauben zu schenken und seinen Einfluss auf ihre Entscheidung drastisch zu reduzieren. Stattdessen beschloss sie, ab sofort ihrer Intuition und ihrem Bauchgefühl weit mehr zu vertrauen, als sie es bisher getan hat.

 

Mythos #7 – Entscheidungen fürs Leben treffen

Die Entscheidung, welches Hemd oder welche Bluse wir heute anziehen, ist weniger nachhaltig und bedarf weniger Überlegung, als die Entscheidung, welchen Partner wir morgen heiraten. Logisch. Die wenigsten Paare dürften allerdings mit dem Bewusstsein vor dem Traualtar stehen, dass ihr Ja-Wort auf einer falschen Entscheidung beruht. Der US-Psychologe William James konstatiert, dass Entschiedenheit mehr bedeutet, als „nur“ eine Entscheidung zu treffen. Wer sich seiner Sache absolut sicher ist, keine Frage dazu hat, alle möglichen Rückzugsbrücken abgerissen und Hintertürchen geschlossen hat, hat sich entschieden, alle Kraft und Energie in diese eine Sache zu stecken. Entscheidungen, die mit Entschiedenheit getroffen werden, sind nachhaltig und bergen Potenzial für ein glückliches und begeistertes Leben.

Lena hat sich entschieden. Im Sommer lud sie uns zu ihrer Hochzeit ein. Es war ein tolles Fest und ein bezauberndes, glückliches Brautpaar.

Nicht alle unsere Entscheidungen werden von einem solchen Happy End gekrönt. Wenn Du Dich entschieden hast, bis zu dieser Stelle zu lesen, hoffe ich, dass Du jetzt sagst, „hat sich gelohnt“. Vielleicht wirst Du ab jetzt Entscheidungen mit einem anderen Bewusstsein treffen. Das würde mich freuen.

Wenn Du Fragen hast, schreibe einen Kommentar oder melde Dich.

Dieser Beitrag ist auch im Magazin von The-Coach.Net erschienen: https://the-coach.net

Über den Autor...

Martin Göhler ist Single- und Paarcoach. Mit Unternehmen arbeitet er als Beziehungscoach und unterstützt die Optimierung der Zusammenarbeit von Teams und Mitarbeitern. Weitere Informationen unter www.mg-coaching.de.

Expertisen sammelte er in über 25 Jahren in leitender Funktion in mehreren Wirtschaftsunternehmen sowie in vielen Business- und Lifecoachings. Mehr als 30 Jahre glückliche Partnerschaft und drei erwachsene Kinder bereichern sein Leben und prägen ihn. In den letzten Jahren hat er in verschiedenen Medien zahlreiche Beiträge rund um das Thema Partnerschaft und Beziehung veröffentlicht.

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